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Rezension: Der Stellvertreter (DVD)



Im  Gedenken an  den Dramatiker Rolf Hochhuth, verstorben am 13.5.2020

Der Film beruht auf dem gleichnamigen Schauspiel von Rolf Hochhuth. Thematisiert wird das humanitäre Versagen der katholischen Kirche - vor allem von Pius XII (dem Stellvertreter Gottes auf Erden) während der NS-Zeit. 

Der tiefgläubige Chemiker Gerstein (Ulrich Tukur) geht auf Betreiben seiner Vaters, eines strammen Nazis, zur Waffen-SS und ist dort für die Kontrolle von Zyklon B zuständig. Noch ahnt er nicht, dass mit diesem Giftstoff Millionen von Juden ermordet werden, noch glaubt er tatsächlich, dass man "Ungeziefer" im Osten ausrotten möchte. 

In Auschwitz angekommen, wird er eines Besseren belehrt. Eine Chance seinen Dienst zu quittieren, hat der Vater von vier Kindern nicht. So versucht er auf andere Weise gegen das Morden vorzugehen. Sabotage ist einer seiner Wege, ein anderer ist der vehemente Versuch den Vatikan und Diplomaten demokratischer Nationen aufzurütteln. 

Schon bald muss er feststellen, dass sich Nicht-Juden selten wirklich für die Juden einsetzen möchten. Der kaltblütige, äußerst perfide Lagerarzt ( Ulrich Mühe) - sieht sehr schnell die Gewissensqualen Gersteins und höhnt, dass es im Grunde christlich sei, die Qualität des Zyklon B so zu perfektionieren, damit die Juden einen schnelleren Tod erleiden. 

Man sieht die Massentransporte nach Auschwitz, auch sieht man die Massenerschießungen an der Bahn entlang. Diese Massenerschießungen mit anschließender Verbrennung finden statt, weil das Zyklon B nicht ausreicht. Die Brutalität der Nazi-Schergen ist nicht in Worte zu fassen. 

Gerstein nimmt Kontakt zur Kirche auf und lernt den jungen Jesuitenpater Riccardo Fontana (Mathieu Kassovitz) kennen. Dieser möchte im Vatikan vorsprechen, damit das Morden in aller Welt bekannt wird. Er hofft auf den Protest des Papstes. Der Papst allerdings hüllt sich in Schweigen. Er denkt nicht daran zu protestieren, sondern agiert einzig gemäß seinen Machtinteressen, die unter dem Deckmantel der Diplomatie sprachlich relativiert werden. 

Selbst als man römische Juden nach Auschwitz deportiert, handelt Pius XII nicht. Sein Feind ist der Kommunismus, der von Hitler in seinen Augen in Schach gehalten wird. Dafür nimmt der Papst offenbar den Tod der Juden billigend in Kauf. Mit den Gedanken der Bergpredikt ist dieses Verhalten jedenfalls nicht vereinbar. 

Der zutiefst mitfühlende Riccardo wird auf Betreiben des Lager-Arztes, der sich als "ein bisschen katholisch" bezeichnet, vergast. Der Protestant Gerstein erhängt sich, weil er den Gewissenskonflikt und die Schuld, die er durch das Herstellen von Zyklon B auf sich geladen hat, nicht mehr erträgt. 

Hochhut zeigt, dass das Böse sich nicht nur im Tun, sondern auch im Wegsehen manifestiert. Unerträglich mit anzusehen, was Vorteilsdenken und Machtgier aus Menschen macht, unerträglich diese Verblendung..... 

Wo war der christliche Gedanke- der Gedanke tiefster Menschenliebe - im Vatikan jener Tage? Wieso bezog die Nächstenliebe nicht auch die Menschen jüdischen Glaubens mit ein? 

 Ein sehr kritischer, hervorragender Film.

Maximal empfehlenswert

Helga König

Lou Andreas-Salomé- DVD

Dies ist ein Film  über das Leben von Lou Andreas- Salomé, die weitgereiste Schriftstellerin, Essayistin und Psychoanalytikerin, die am 12. Februar 1861 in Sankt Peterburg geboren wurde und am 5. Februar 1937 in Göttingen starb. 

Zu Beginn sieht man Flammen. Man befindet sich im Jahr 1933. Die Deutsche Studentenschaft verbrennt Bücher verfemter Autoren, tut das auch in Göttingen. Die Bücher des Psychoanalytikers Sigmund Freud, bei dem Lou Andreas Salomé einst studiert hat, werden ebenfalls dem Feuer übergeben.

Lou ist zu diesem Zeitpunkt 72 Jahre alt und schwer an Diabetes erkrankt. Deshalb auch sieht sie sehr schlecht und ist froh als sie den jungen Germanisten und Doktoranten Ernst Pfeiffer kennenlernt, der ihre Lebenserinnerungen, die sie ihm im Film erzählt, aufschreibt. 

So erlebt man Lou, sich erinnernd,  zunächst als Kind in Petersburg. Sie ist das einzige Mädchen von insgesamt sechs Kindern und darf als Liebling ihres Vaters freier leben als dies für Mädchen in der damaligen Zeit üblich ist.

Ihre Intelligenz treibt sie zur Lektüre von Büchern. Sie liest schon jung an Jahren Philosophen wie Aristoteles und Spinoza. In ihren Hauslehrer, einen evangelischer Pfarrer, der doppelt so alt ist wie sie, hat sie sich verliebt. Als er ihr sich sexuell nähert, verweigert sie sich ihm und schwört zukünftig jeglicher Verliebtheit und Sexualität ab. 

Sie möchte frei sein und weiß, dass Männer aus ihr am Ende nur eine Hausfrau und Mutter machen wollen. Das lehnt sie ab und geht stattdessen nach Zürich, um dort Philosophie zu studieren. Als sie erkrankt, schickt ihre Mutter, die mit ihrem Studium nicht einverstanden ist, sie wegen ihres Lungenleidens zur Erholung nach Italien. 

Sie lernt im Salon von Frauenrechtlerin Malwida von Meysenbug  alsbald der Philosophen Paul Reé und durch ihn den Philosophen Friedrich Nietzsche kennen. Beide verlieben sich in sie. Beide wollen sie heiraten. Doch Lou akzeptiert nach wie vor keine körperliche Beziehung. Sie sublimiert und entwickelt sich auf diese Weise geistig immer mehr. Sie möchte die beiden als Gesprächspartner, nicht aber im Bett.

Mit dem 15 Jahre älteren Orientalisten Friedrich Carl Andreas geht sie schließlich eine Ehe ein, die an die Übereinkunft gebunden ist, keinen Sex miteinander zu haben Sie schreibt alsbald ihr erstes Buch und lernt den um 15 Jahre jüngeren Dichter Rainer Maria Rilke kennen, mit dem sie nicht nur eine geistige, sondern auch eine körperliche Beziehung pflegt, weil sie sich ihm in jeder Beziehung  sehr nahe fühlt und spürt, dass er sie nicht dominieren möchte. Rilke strebt eine Symbiose mit ihr an. Deshalb verlässt sie ihn.

Man erlebt Lou in den Folgejahren als anerkannte Intellektuelle. Mittlerweile hat sie immer wieder auch erotische Affären, die sie aber nicht an ihrem Weg hindern, dem Weg frei zu leben. In einem solchen Leben hat die Liebe keinen Platz für sie.  Das weiß sie genau.

Man erlebt im Film auch die Begegnung mit Sigmund Freud, bei dem sie dann studiert. Er hält sie für eine Narzisstin und liegt damit gewiss nicht falsch. Ob ihr Narzissmus das gesunde Maß überstiegen hat, lässt sich nach dem Film nicht einschätzen. 

Ich denke aber, dass Lou Andreas-Salomé genau so handeln musste, wie sie es tat, um als Intellektuelle in jener Zeit heranzureifen und zu bestehen 

Ein toller Film mit wunderbaren Schauspielern, ein Film mit viel Tiefe, der lange nachwirkt. 

Besonders beeindruckt hat mich die schauspielerische Leistung von Nicole Heesters, die die 72 jährige Lou spielt. Sehr ausdrucksstark und authentisch. 

Das Drehbuch und die Regie von Cordula Kablitz-Post  sind  erste Sahne. Sehr subtil.

Maximal empfehlenswert

Helga König

Onlinebestellung bitte hier klicken: Amazon 

Rezension: #Alfred_Hitchcock-Sämtliche Filme-Herausgeber: Paul Duncan- TASCHEN

Dieses reich bebilderte Buch zeichnet im Rahmen von drei Kapiteln das Leben des britischen Filmregisseurs Alfred Hitchcock (1899- 1980) nach. Die Lebensbetrachtung ist in nachstehende Kapitel unterteilt, als da sind: 

1899-1939- Das junge Genie 
1940-1954- Der Typ, der dein Vertrauen in dieses lausige Geschäft wieder herstellt 
1954-1980-Ein wahrer Meister 

Diesen drei Kapiteln ist eine mehrseitige Einleitung vorangestellt worden. Sie trägt den Titel "Die Angst vorm Fallen". Hier erfährt man, dass Hitchcock beim Blick auf technische Aspekte seiner Arbeit sich als wahrer Künstler zeigt und als Meister, der sein Handwerk beherrscht. In seinen Interviews soll er wenig über seine persönlichen Interessen oder religiösen und politischen Ansichten geäußert haben. Je nach Rolle präsentierte er unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit, über die man im vorliegenden Buch Näheres erfährt. Obschon er mit einer beschränkten Palette von Emotionen arbeitete, gelang es ihm, sein Filmhandwerk wie nur wenige vor ihm zu meistern. 

Sein Thema sei der #Suspense gewesen. Dessen Funktionsweise erklärte er wie folgt: "Wenn man eine Bombe zündet, erlebt das Publikum einen 10- Sekunden-Schock. Doch wenn das Publikum weiß, dass die Bombe gelegt ist, kann man diesen Suspense aufbauen und sie fünf Minuten lang im Zustand der Erwartung halten." 

Hitchcock sei der beste Architekt der Angst gewesen, den das Kino jemals gesehen habe, liest man und weiß, dass es stimmt, wenn man Filme von ihm gesehen hat. Seine Filme zeigen schwindelerregende Situationen und wahnsinnige Charaktere, die sehr deutlich gezeichnet sind. 

Der Meister spielte gerne mit den Konventionen des Thrillers und habe sich darauf verstanden, klare dynamische Bilder für die zweidimensionale Leinwand zu komponieren als auch anspruchsvolle und genaue Muster der visuellen Motive zu entwerfen. 

Hitchcocks Stärke als Filmemacher habe darin bestanden, seine eigenen unbewussten Ängste und Wünsche bildlich umzusetzen und sie als Wachalbträume auf die Leinwand zu projizieren. 

Der biografische Teil des Buches enthält neben einem spannend zu lesenden Text viele Fotos, auch Zitate von Alfred Hitchcock. Dieses Mix hinterlässt einen bleibenden Eindruck im Hinblick auf die fokussierte Person und erweist sich als Schlüssel für die 53 Hitchcock –Filme, die dann auf 445 Seiten präsentiert werden, untergliedert in die Zeiträume 

1925-1939
1940-1954
1954-1976 

Neben tollen Filmaufnahmen erhält man zu jedem einzelnen Film die genauen Daten, wo und wann der Film produziert wurde, wie viel Minuten er dauert, wer das Drehbuch verfasst hat, wer für Kamera, Schnitt und Musik verantwortlich war, wer für die Produktion und welche Darsteller die einzelnen Rollen spielten. Ein Filmplakat wird immer gezeigt und man wird ausführlich mit den einzelnen Filmen inhaltlich vertraut gemacht.  Auf diese Weise erfährt man, was in den jeweiligen Filmen typisch Hitchcock ist. 

In speziellen Rubriken liest man mehr über einzelne Schauspieler, Drehbuchautoren, Filmkomponisten etc.

Wie hervorragend die einzelnen Filme beschrieben sind, habe ich heute an "Spellbound" nachvollzogen. Hier sind die Hauptdarsteller Ingrid Bergmann (Dr. Constance Petersen) und Gregory Peck (John Ballantyne). Die Musik dieses tollen Films stammt von Miklós Rósza. 

Zu den innovativen Aspekten dieses Films zählt "Dalis Traumsequenz", die im Buch  näher erläutert wird und die ungewöhnliche Musik des Komponisten Miklós Rósza, für die er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. 

Es handelt sich bei "Spellbound" übrigens um den ersten Film Hollywoods über Psychoanalyse und eine bahnbrechende Darstellung einer berufstätigen Frau. 

Alles in allem ist "Alfred Hitchcock- Sämtliche Filme" ein großartiges Werk und ein Muss für alle Liebhaber von Hitchcock-Filmen.

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Im Fachbuchhandel erhältlich

Onlinebestellung  TASCHEN  oder AMAZON
Alfred Hitchcock. Sämtliche Filme

Rezension Thomas Nehlert „The 24 Hour War“ DVD, Chassy Media, 2017

Es war eine der großartigsten und faszinierendsten Geschichten im Motorsport: Der Kampf von Ford gegen Ferrari um die Vorherrschaft bei den bedeutenden SportwagenLangstreckenrennen in den 1960er Jahren. Im Vordergrund stand das Ziel, bei den 24 Stunden von Le Mans zu triumphieren. Die Ursprünge, die Entwicklung und den Ausgang dieses epochalen Duells eines milliardenschweren US-Konzerns mit einem damals kleinen italienischen Renn- und Sportwagenhersteller dokumentiert der Film "The 24 Hour War" auf beeindruckende und begeisternde Weise. 

Henry Ford II. verfolgte mit großem Interesse die Siegesserie von Ferrari bei den 24 Stunden von Le Mans Anfang der 1960er Jahre. Zugleich war sein Unternehmen – obwohl zu den „Großen Drei“ im Automobilbau der USA gehörend – durch die Marktbeherrschung von General Motors und den aufstrebenden Chrysler-Konzern in Zugzwang geraten. Ford sah es, gerade auch im Hinblick auf die äußerst erfolgreiche Chevrolet Corvette, als zielführend an, die Marktanteile durch spektakuläre Erfolge im Automobilsport auszuweiten. Ford unterbreitete Ferrari 1963 ein Übernahmeangebot, das der Commendatore nach längeren Verhandlungen schließlich ausschlug. Dies brachte Henry Ford so auf, dass er nun um fast jeden Preis mit einem eigenen Rennsportwagen Ferrari beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans bezwingen wollte. Anknüpfend an die Erfolge Carroll Shelbys mit den bulligen Ford Cobra und dem Cobra Daytona Coupé in der GTKlasse stellten die Ingenieure von Ford den legendären GT40 auf die Räder, der nach einigen Misserfolgen schlussendlich doch Ferrari in Le Mans schlagen und den Langstreckenklassiker von 1966 bis 1969 gewinnen konnte. 

Um die entgegengesetzte Ausgangslage der beiden Unternehmen vor dem Zweikampf zu verdeutlichen, steigen die Produzenten tief in die Historie ein: Ferrari, der den Motorsport als seine Leidenschaft mit dem für ihn eher lästigen Verkauf hochkarätiger Sportwagen zu finanzieren versuchte – Ford, der den Verkauf durch Sporterfolge ankurbeln wollte. Neben herrlichen zeitgenössischen Aufnahmen erlangt die Dokumentation durch Äußerungen von Zeitzeugen besondere Authentizität. Für Ferrari kommen der bekannte und im letzten Jahr verstorbene Automobil-Historiker und Buchautor Brian Laban, Carlo Tazzioli, Mauro Forghieri und Enzo Ferraris Sohn Piero zu Wort. Die Geschichte von Ford erläutern u.a. Henry Ford III als der Urenkel des Firmengründers und Edsel Ford II als Sohn von Henry Ford II. Sehr erhellend werden sowohl die Situation auf dem US-Markt als auch die speziellen Probleme im Rennteam von Ferrari herausgearbeitet, das Anfang der 1960er Jahre zahlreiche hochrangige Mitglieder nach internen Querelen mit Enzo Ferraris Frau Laura verlassen hatten und dessen Schicksal fortan in den Händen des jungen Mauro Forghieri lag. Geradezu humorvoll geben Piero Ferrari und Carlo Tazzioli das sehr eigenwillige Verhalten Enzo Ferraris bei den Verhandlungen mit Ford wieder. Denn nach dem Korb, den der stolze Italiener dem amerikanischen Konzern gegeben hatte, sicherte er später auf hoch intelligente Weise die Zukunft seines Unternehmens durch die Zugehörigkeit zum Fiat-Konzern. 

Zahlreiche Techniker beschreiben die durch wunderbare Originalaufnahmen belegte Entwicklung sowohl der Mittelmotor-Prototypen von Ferrari vom 250 P bis zum 330 P4 als auch des seinerzeit revolutionären Ford GT 40 und seiner Varianten Mk.II und Mk. IV. Selbst das später nie zum Renneinsatz gekommene J-Car von Ford wird gezeigt und auf den mit diesem Wagen erlittenen tödlichen Unfall von Ken Miles bei Testfahrten in Riverside eingegangen. Groß ist die Zahl bekannter Rennfahrer, die ihre Erinnerungen an das Geschehen einfließen lassen: Jackie Oliver, David Hobbs, Brian Redman, Richard Attwood, Dan Gurney, Mario Andretti, John Surtees. Dabei bleiben auch die Umstände, die zu John Surtees' Trennung von Ferrari führten, nicht unerwähnt, bis hin zur Ausleuchtung des intriganten Verhaltens des damaligen Rennleiters von Ferrari, Eugenio Dragoni. 

Für mich persönlich stellen die Originalaufnahmen von den großen Langstreckenrennen 1965 und 1966 in Daytona, Sebring und Le Mans einen weiteren Höhepunkt des Films dar. Damals gab es kaum Rennübertragungen, so dass derartiges Filmmaterial wirklich Seltenheitswert hat. Nach den krachenden Niederlagen, die Ford 1964 und 1965 in Le Mans gegen Ferrari kassiert hatte, gipfelt die Dokumentation in den Berichten über die Ford-Siege 1966 und 1967, zuletzt errungen gegen die bildschönen Ferrari 330 P4, die 1967 trotz der Le-Mans-Niederlage doch noch im letzten Lauf in Brands Hatch den Titel in der Internationalen Meisterschaft für Sport-Prototypen für die Scuderia Ferrari sicherten. Das allerdings störte Ford nicht mehr, für die Amerikaner war der Sieg in Le Mans das entscheidende Kriterium. Mit diesem Sieg 1967 begründeten übrigens Dan Gurney und A.J. Foyt die heute bei Siegerehrungen traditionelle Form der "Champagner-Dusche". Ferrari und Ford waren in den Jahren von 1965 bis 1967 mit jeweils bis zu zehn Fahrzeugen – verteilt auf unterschiedliche Bewerber-Teams – in Le Mans am Start. Heute gilt es – zu Recht – als finanzieller und organisatorischer Gewaltakt, wenn eine Werksmannschaft mit drei Prototypen antritt . . . 

Zum Schluss der Dokumentation wird der Bogen zu den 24 Stunden von Le Mans 2015 und 2016 geschlagen – 2016 deshalb, weil sich der erste Ford-Sieg zum 50. Mal jährte und Ford aus diesem Anlass mit vier neuen Ford GT in der Klasse GTE-Pro antrat und diese auch – nicht zuletzt aufgrund einer etwas zweifelhaften Einstufung in der „Balance of Performance“ (BOP) – auf Anhieb gewann.

"The 24 Hour War" ist in meinen Augen eine der besten Automobilsport-Dokumentationen der letzten Jahre und für den, der diesen Kampf in den 1960er Jahren mitverfolgt hat, ein wahres "Must Have". 

Leider nicht vollkommen unkompliziert ist die Beschaffung des Films. Man kann ihn in den USA bei der Produktionsfirma Chassy Media bestellen, allerdings sollte man dann über einen Codefree-Player verfügen, da sowohl die DVD als auch die Blu-ray nur im Regionalcode 1 für Nordamerika hergestellt werden. Ein anderer Empfangsweg ist der "amazon fire TV stick", über den der Film mit einem amazon prime"-Vertrag abgespielt werden kann. 


The 24 Hour War Format: DVD bzw. blu-ray im Regionalcode für Nordamerika 
Bildformat: 16:9 Laufzeit: 100 Minuten 

Drehbuch und Regie: Adam Carolla, Nate Adams 
Sprache: Englisch Preis: $ 18,- plus Versand 
Erhältlich über https://chassy.com/product/24-hour-war/ und über den amazon fire TV stick im Rahmen eines amazon-prime-Vertrages zu empfangen.

Rezension Thomas Nehlert „Remember Le Mans DVD“ Cinecraft GmbH, RacingWebShop, 2017

Er ist ein Mythos, und wirklich jeder Motorsportfan kennt ihn, den Spielfilm "Le Mans" von und mit Steve McQueen. Um die Entstehung dieses Films ranken sich so unzählige Anekdoten und Geschichten, dass mit diesem Material bereits mehrere Bücher und auch filmische Dokumentationen gefüllt worden sind. Allerdings sind all diese Publikationen englischsprachig, so dass der in Österreich beheimateten Cinecraft GmbH, dem Drehbuchautor und Regisseur Christian Giesser und McKlein Publishing in Köln das Verdienst zukommt, mit der Doppel-DVD "Remember Le Mans" die Ereignisse um die Verwirklichung des Lieblingsprojekts von Steve McQueen erstmals in deutscher Sprache darzustellen. 

Was allerdings den Begriff der "deutschen Sprache" angeht, bedarf es doch zunächst einmal einer etwas weiten Auslegung: denn Dr. Erich Glavitza als einer der Hauptprotagonisten der Dokumentation spricht einen so ausgeprägten österreichischen Dialekt, dass man sich schon etwas "einhören" muss, um all seine sehr langen Ausführungen zu verstehen. 

Der 90minütige Hauptfilm ist in 20 Titel untergliedert. Die Eingangssequenz ist auf interessante Weise dem Anfang des Urfilms nachempfunden: Erich Glavitza fährt mit einem aus den späten 1960er Jahren stammenden Porsche 911 durch das heutige Le Mans – so wie damals Steve McQueen mit seinem 911 durch das seinerzeit noch deutlich verträumter wirkende Städtchen an der Sarthe. War es einst ein neues und sehr gepflegt wirkendes 911-Exemplar – das inzwischen zu einem atemberaubenden Preis versteigert worden ist – , so macht Glavitzas Porsche doch einen schon recht mitgenommenen Eindruck. 

Erich Glavitza, in Wien zum Doktor der Philosophie und Wissenschaftstheorie promoviert, betätigte sich als Rennfahrer, Stuntman, TV-Kommentator, Leiter einer Rennfahrerschule und als Buchautor. Ausführlich schildert er, wie er als Stuntman zu dem Film "Le Mans" kam und welche Erfahrungen er im Sommer 1970 bei den Dreharbeiten machte. Gleichfalls kommen der frühere Stuntman und Rennfahrer Peter Huber, der Produktionsassistent Dr. Walter Riml und der auch zum Produktionsteam gehörende Peter Samuelson zu Wort. 

Insbesondere die Darstellungen von Samuelson sind überaus aufschlussreich, da sie einerseits verdeutlichen, dass "Le Mans" der Film mit den zweifellos besten und authentischsten Rennszenen ist, der jemals gedreht wurde, andererseits aber auch zeigen, welches Chaos am Filmset herrschte und mit welchen massiven Problemen die Produktion zu kämpfen hatte. McQueen, der mit seiner Solar Productions Gesellschaft den Inhalt des Films als reines Autosport-Drama bestimmen wollte, ließ dem Regisseur John Sturges keinen Raum zur Durchsetzung einer annehmbaren filmischen Handlung, so dass Sturges schließlich abreiste und Lee Katzin als von McQueen gesteuerter Regisseur versuchte, die Rolle eines Regisseurs auszufüllen. McQueen selbst zeigte – nach den Schilderungen der Betroffenen – bei den Dreharbeiten zwei Gesichter: den Rennfahrern gegenüber voller Zuneigung und Verbundenheit und Respekt, den Filmschaffenden gegenüber teilweise unstrukturiert, häufig unhöflich und ohne jedes Verständnis für die erzählerische Dimension eines Spielfilms. So kommt Samuelson auch zu dem Ergebnis, dass McQueen ein Rennsportbesessener war, ein charismatischer Film-Star, ein unglaublicher Womanizer – aber kein begnadeter Schauspieler oder gar Regisseur. 

So liegt auch die Stärke dieser Dokumentation darin, dass sie den Kultfilm "Le Mans" nicht unkritisch lobpreist, sondern Stärken und Schwächen in die Tiefe gehend herausarbeitet. 
Dennoch kommt die Begeisterung für "Le Mans" nicht zu kurz, und zwar in erster Linie durch die eingehenden Interviews mit drei Rennfahrern, die damals – zusammen mit vielen anderen Piloten – mit ihren Fähigkeiten für packende und authentische Rennszenen sorgten: Jürgen Barth, Herbert Linge und Willi Kauhsen. Diese zeichnen, ihren Erfahrungen entsprechend, ein beeindruckend positives Bild von McQueen und schildern im Detail den Aufwand, der betrieben wurde, um absolut realitätsnahe Renn- und Unfallsequenzen zu realisieren. Jürgen Barth kommt zu dem Schluss „wir haben damals Hollywood in Le Mans erlebt“. 

Wenn die Dokumentation auch im wesentlichen aus den Interviews mit den Beteiligten an dem Filmprojekt besteht, so haben doch auch einige filmische Sequenzen Eingang gefunden. Die Passagen aus dem Spielfilm sind sehr sparsam gesetzt, was sicherlich auch mit den Urheberrechten und den damit verbundenen Kosten zu tun hat. Hinzu kommen mehrere Bilder vom Filmset, die den zeitgenössischen Rahmen ebenso wiedergeben wie einige Originalaufnahmen aus einem früheren 24-Stunden-Rennen; allerdings stammen diese aus dem Jahr 1967, denn Ferrari 330P4 und Shelby-Ford spielten 1970 keine Rolle mehr. 

Das mit 233 Minuten sehr lange Bonusmaterial besteht aus detailreichen Äußerungen der auch im Hauptfilm zu Wort gekommenen Personen. Hervorzuheben sind dabei wieder die Ausführungen von Peter Samuelson und die der drei Rennfahrer Barth, Linge und Kauhsen, die nicht nur auf den Film "Le Mans" eingehen, sondern auch auf ihren beruflichen und rennfahrerischen Lebensweg und die damit verbundenen Erfahrungen sowie auch auf ihre Lieblingsfahrzeuge.

"Remember Le Mans" stellt eine lohnende Bereicherung des Materials über den Kultfilm von 1970 dar. Die Dokumentation verdeutlicht, welch großartige Leistung es war, derartig wirklichkeitsnahe Rennaufnahmen zu einer Zeit zu erstellen, in der es noch keine die Realität zuweilen verfälschende Computertechnik gab. 


Remember Le Mans 

Format: 2 PAL DVDs 
Bildformat: 16:9
Regionalcode: 0 – Alle Regionen 
Laufzeit: 90 Minuten (Hauptfilm), 233 Minuten Bonusmaterial
Drehbuch und Regie: Christian Giesser 
Sprache: Deutsch 
Preis: € 29,90 Erhältlich ausschließlich über www.racingwebshop.com

Rezension: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (DVD),

Macht die Leichtigkeit des Seins einsam?

Romanvorlage für diesen Film ist Milan Kunderas Buch "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins." Seit ich diesen Roman gelesen habe, ist zuviel Zeit ins Land gegangen, um mich detailliert an Einzelheiten erinnern und konkrete Vergleiche zum Film herstellen zu können. Von daher beziehe ich mich bei meiner Rezension nur auf das, was ich gesehen habe. Die Spieldauer des Films von Philip Kaufmann beträgt 166 Minuten. Die Handlungszeit ist der so genannte "Prager Frühling", dessen jähes Ende und die düstren Monate danach. 

Zwischen Januar und August 1968 gab es in der damaligen CSSR unter der Führung von A. Dubcek einen Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozess. Durch die militärische Intervention der UdSSR und vier weiterer Staaten des Warschauer Paktes wurde dieser Prozess gewaltsam unterbunden. Man beklagte 94 Todesopfer. Diese wurden durch die Breschnew-Doktrin pseudo- legitimiert. Das, was sich auf den Straßen zutrug, wird teilweise durch Originaleinblendungen dargestellt. 

Worum geht es? 

Der in Prag lebende Hirn-Chirurg Tomas (Daniel Day-Lewis), ein sehr hagerer, leicht unterkühlter Mann, dessen erotische Ausstrahlung mir erst - wenn überhaupt - auf den dritten Blick auffiel, ist polygam veranlagt und lebt seine diesbezüglichen Neigungen voll aus. Mit seiner hocherotische, bildschönen Geliebten Sabina (Lena Olin), einer Künstlerin, die ähnlich wie er viele Affären hat, scheint er eine besonders zufrieden stellende körperliche Beziehung zu haben. Die beiden sind spürbar immer wieder sexuell voneinander in den Bann geschlagen. Sie haben Spaß am Moment und gehen anschließend stets erneut ihrer Wege. 

Bürgerliche Bande streben sie offenbar nicht an. Die beiden genießen die Leichtigkeit des Seins, wenn man so will. Auf dem Land lernt Tomas durch Zufall Teresa (Juliette Binoche), ein hübsches, leicht melancholisches, introvertiertes Mädchen kennen. Als die beiden auf einer Parkbank miteinander sprechen, liest Teresa gerade Tolstois Anna Karenina. 

Zehn Tage später steht sie bei Tomas in Prag vor der Tür und zieht zunächst vorübergehend zu ihm in die Wohnung. Sie sucht einen Job in der Stadt. Zwischen den beiden entspinnt sich - wie könnte es anders sein - eine sexuelle Beziehung, die Thomas keineswegs veranlasst seinem polygames Liebesleben ein Ende zu setzen. Seine sexuellen Eskapaden haben nichts mit seinem Liebesleben zu tun. 

Teresa leidet unter dieser Polygamie und versucht ihre Hauptwidersacherin Sabina mittels Fotoaufnahmen körperlich zu studieren. Es kommt zwischen den zwei Frauen sogar zu körperlichen Annährungen, die allerdings seitens Teresa keine lesbischen Komponenten beinhalten. Teresa kann nur dann erfüllenden Sex haben, wenn sie liebt. 

Tomas ist ihre große Liebe, den sie mit anderen Frauen nicht teilen möchte. Nach dem Ende des Prager Frühlings emigrieren die Protagonisten nach Genf, aber Teresa kehrt alsbald nach Prag zurück, weil sie sich für ein neues Leben zu schwach fühlt. Tomas folgt ihr, da er die Leichtigkeit des Seins, die er eigentlich genießt, ohne seine Frau nicht ertragen kann. Er scheint sich ohne ihrer Nähe einsam zu fühlen. Ob das ein Indiz für Liebe ist, möchte ich allerdings bezweifeln. 

In Prag bekommt Tomas wegen eines Artikels, den er im Prager Frühling verfasste, Ärger und darf nicht mehr als Hirn-Chirurg tätig sein. Seine amourösen Abenteuer sind nach wie vor Teil seines Lebensinhaltes. Erst der Tod vereint Teresa und Tomas auf ewig miteinander, wobei nach meiner Ansicht Tomas bei Sabina besser aufgehoben gewesen wäre. 

Beindruckende, aber auch gleichzeitig beklemmende Bilder von Prag aus lang zurückliegender Zeit. Sehr gute, sehr nachdenkliche Dialoge.

Empfehlenswert.

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich  

Rezension: Der große Gatsby (DVD)

Der vorliegende Film zählt zu meinen Lieblingsfilmen, obschon die gleichnamige Romanhandlung von Fitzgerald nicht 1:1 umgesetzt worden ist. Das halte ich aber nicht für besonders bemängelswert, denn der Geist des Romans spiegelt sich im Film auf beeindruckende Weise. Genau darauf kommt es bei Literaturverfilmungen meiner Meinung nach an.

Beleuchtet wird die High-Society der Ostküste der USA während der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Als Tableau dient die tragische Liebesgeschichte zwischen dem reichen, Geheimnis umwitterten Jay Gatsby und der schönen, aber leichtfertigen Daisy.

In Amerika zeigen sich die so genannten "Goldenen Zwanziger" als die Zeit der Prohibition, des ausgiebigen Drogenkonsums, der luxeriösen Parties mit neuartigen Jazzklängen. Zudem werden die Oberflächlichkeit, Blasiertheit und Übersättigung der mondänen, höheren Gesellschaftsschicht zu Tage gefördert. Zeitgenossen, die erst jüngst zu Geld gekommen sind, finden dort kaum Zugang und selten wirkliche Akzeptanz. Der amerikanische Traum, der verspricht, dass man durch Tüchtigkeit alles erreichen kann, stellt sich in seiner realen Durchführung als höchst fragwürdig dar oder stößt zumindest, wenn es um gesellschaftliche Anerkennung geht, an seine Grenzen. Der tüchtige Gatsby (Robert Redford), der so vielen Vieles gibt, hat im Grunde keine Freunde, keine wirklichen Herzensbeziehungen, die auf Gegenseitigkeit beruhen.

Die Menschen um ihn herum sind - nahezu ohne Ausnahme - materiell fixiert und letztlich alle vom Stamme Nimm. Selbstbezogen, vermögen sie nicht die seelische Tiefe dieses Mannes zu erkennen. Als Mensch ist Gatsby für diese ethisch verkommene Clique nicht interessant. Dies gilt vor allem für die von ihm so geliebte Daisy.

Ich kenne keinen Schauspieler, dessen Augen so viel Intelligenz und spitzbübischen Charme versprühen wie jene von Robert Redford. Die Rolle des Gatsby ist ihm wahrlich auf den Leib geschneidert. Man begreift nicht, weshalb die farblose Daisy (Mia Ferrow) von diesem Mann nicht hingerissen ist. Attraktiver als Gatsby alias Redford kann kein Mann sein. Ist Daisy blind?

Beeindruckende Bilder von Gartenpartys auf Gatsbys Anwesen begeistern der Zuschauer. Die hübschen, glitzernden Kleider aus den Zwanziger Jahren, die die Frauen tragen, deren gesamte Aufmachung, aber mehr noch die Musik wirken lange nach.

Trotz der vielen schönen Momentaufnahmen ist "Der große Gatsby" ein sehr trauriger, aber keineswegs sentimentaler Film. Man leidet mit den Protagonisten, während er auf einer Luftmatraze im Swimming Pool liegt und die Klänge von " What`ll I do? " leise die Ohren betören.

Gatsby ist eine tragische Gestalt, weil er nicht erkennt, dass die von ihm verklärte Vergangenheit nicht in der Gegenwart  neu aufleben kann und  er sich von  Daisy und  ihresgleichen vorführen lässt. Deren Hochmut ist sein Waterloo.

 Die Bild - und die Tonqualität sind ausgezeichnet!

 Ein sehr empfehlenswerter Film

Im Fachhandel erhältlich.

Rezensionen: #Sophie_Scholl - Die letzten Tage (DVD)

Zur Vorgeschichte: Als Hitler an die Macht kam, lebte die Familie Scholl in Ulm. Trotz der Warnungen ihres Vaters waren die Geschwister Sophie und Hans mit Begeisterung in der Hitlerjugend. Doch Hans begann allmählich zu zweifeln. Auch für Sophie wurde das halbe Jahr Arbeitsdienst und ein weiteres halbes Jahr Kriegshilfsdienst zu schweren Probe.

Der Vater ist mehrfach von der Gestapo verhört und verhaftet worden. Endlich konnte Sophie 1939 ihr Studium beginnen. Dort traf sie wieder auf ihren Bruder Hans und seine Freunde.

Stark beeindruckt wurde die Gruppe von Professor Kurt Huber, einem Philosophen und Psychologen. Als Sophie die "Flugblätter der Weißen Rose" las, die kurz nach dem Beginn des Studiums plötzlich in der Universität auftauchten, kamen ihr die Sätze darin seltsam vertraut vor und bald musste sie entdecken, dass ihr Bruder daran wesentlichen Anteil hatte

Nach einem Fronteinsatz der Medizinstudenten während der Semesterferien wurde die Widerstandsarbeit wieder aufgenommen und wirkte sich auch nach Freiburg und Hamburg aus.

Nach Katastrophe in Stalingrad beteiligte sich Sophie aktiv an der Herstellung und Verbreitung von Flugblätter. Das ist der Moment, wo der Film seinen Anfang nimmt:

Man sieht Sophie, dargestellt von Julia Jentsch, zunächst in ihrem Zimmer einen Brief schreibend, in welchem sie völlig entzückt ein Schubertlied erwähnt. Alles wirkt friedlich, beinahe idyllisch.

Schon wenig später jedoch ist es aus mit der Idylle. Einige Mitglieder der "Weißen Rose" verfassen einen Aufruf, der demokratische Strukturen für Deutschland fordert und das Ende des Terror-Regimes der Nazis dezidiert postuliert. Der Aufruf wird vervielfältigt. Hans und Sophie verteilen ihn u.a. an der Uni in München, wo sie vom Hausmeister entdeckt und sofort Gestapo übergeben werden.

Jetzt beginnen die Verhöre, die übrigens textlich über lange Passagen den Original-Verhörprotokollen entsprechen. Der Gestapomann Mohr (hervorragend dargestellt von Alexander Held), ein typischer NS-Spießer, befragt Sophie zur Sache und verliert aufgrund ihrer Stärke während des Verhörs immer mehr an Dominanz. Am Ende versteckt er sich nur noch hinter den Gesetzen als Sophie Scholl ihn mit Fragen des Gewissens konfrontiert.

Die Scholls versuchen soviel "Schuld" wie möglich auf sich selbst zu ziehen, nachdem die Indizienlage das Leugnen der Flugblattaktion unmöglich gemacht hat, weil sie ihre Freunde schützen wollen.

Schließlich findet ein Schauprozess statt, wo man die Geschwister Scholl und ihren Freund Christoph Probst des Hochverrates und der Wehrkraftzersetzung anklagt.

Sophie träumte in der Nacht vor dem Prozess sie sei mit einem Kind im Arm in eine Gletscherspalte gestürzt, habe das Kind aber noch auf der sicheren Seite ablegen können. Diesen Traum erzählt sie ihrer Zellenmitbewohnerin und analysiert, dass das Kind die Idee sei, die nach ihrem Tod am Leben bleiben werde.

Freisler verurteilt die drei jungen Studenten zum Tode. Sophie lässt sich von diesem fürchterlichen Menschen allerdings nicht einschüchtern und spricht aus, was sie denkt.

Bevor sie tags darauf zur Guillotine geführt wird, notiert sie in ihrer Zelle auf ein Blatt das Wort Freiheit, betet mit einem Priester und saugt die morgendliche Sonne nochmals ganz bewusst ein.

Die drei Freunde treffen sich auf eine Zigarette, umarmen sich, dann wird Sophie abgeführt. Man sieht Sophie auf der Guillotine liegen und vernimmt das martialische Klacken ..... All dies, was der Film zeigt, ist real geschehen. Einfach unfassbar!

Die Widerstandgruppe die "Weiße Rose" forderte zum passiven Widerstand auf und zwar im Namen der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit, der anständigen Gesinnung und der christlichen Glaubens. Dass die Antwort der Nazis auf diesen Idealismus ohne Gewalt und Organisation die Hinrichtung war, kennzeichnet noch schärfer als das Vorgehen vom 20. Juli 1944 das Wesen des Dritten Reiches.

Im Anschluss an den Film, der sehr überzeugend -auch im Detail- den Geist der NS-Zeit wiedergibt, erfährt man, wie dieser entstanden ist und wie die einzelnen Schauspieler sich mit ihren schwierigen Rollen mental auseinandergesetzt haben.

Sehr empfehlenswert!

Im Fachhandel erhältlich.

Helga König

Rezension 2009

Rezension: Der Löwe im Winter (DVD)

Während meines letzten Aufenthaltes an der Loire besuchte ich das Kloster Fontevraud. Dort sind die Leichname von Eleonore von Aquitanien und von ihrem Gatten Heinrich II bestattet, auch ihre Nachkommen Richard Löwenherz und Isabelle d` Angoulem haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. 

Auf der Grabstatue von Eleonore von Aquitanien ist die einstige Königin von Frankreich dann von England mit einem Buch abgebildet. Die bildschöne Aquitanierin war, wie man der Biographie von Regine Pernoud entnehmen kann, eine Intellektuelle. 

Die beiden Hauptdarsteller des vorliegenden, mit 3 Oscars gekrönten Films sind König Henry II (Peter O`Toole) und seine Gemahlin Eleonore (Katherine Hepburn). Die Filmhandlung spielt 1183 auf Schloss Chinon. Schloss Chinon (Indre et Loire) war einst eine königliche Residenz Henry II.

Zum besseren Verständnis des Film einige Informationen zu den beiden Hauptdarstellern: Eleonore von Aquitanien (1122- 1204) war die Erbtochter Wilhelm X des Herzogs von Aquitanien und ist als Königin der Troubadoure in die Geschichte eingegangen, nicht zuletzt, weil sie bereits am Hofe ihres Vaters den Minnegesang förderte und auch während ihrer glänzenden Hofhaltung als englische Königin die Troubardourpoesie Musik- und Kunstinteressierten weitervermittelte. 

1137 wurde sie mit König Ludwig VII von Frankreich vermählt. Eleonore galt als sinnlich und graziös, ihr Ehemann als fromm und plump. Die schöne Eleonore ertrug das Leben mit dem "königlichen Schreiber" 15 Jahre lang. Während des zweiten Kreuzzuges, auf dem sie ihn begleitete, teilte sie in Antiochos ihren Entschluss mit, sich scheiden zu lassen. "Ich glaubte einen Mann zu heiraten und keinen Mönch." 

Vom Orient betört (zweifelsohne auch von einem schönen Christen, ihrem Onkel Raimond von Poitiers und einem hübschen Mohammedaner, dem Höfling Saladin) dachte sie daran sich dort niederzulassen, aber Ludwig VII war keineswegs gewillt auf diese Frau und deren Mitgift Aquitanien zu verzichten. Er entführte sie mit Gewalt aus Antiochos und fuhr mit ihr an die Ufer der Seine zurück. Es half nichts. Nachdem das Konzil von Beaugency bei den Eheleuten Blutsverwandtschaft sechsten Grades festgestellt hatte, annullierte es am Palmsonntag des Jahre 1152 die Ehe von Eleonore und Ludwig. Aquitanien ging an die einstige Besitzerin zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich bereits in Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou, Herzog der Normandie verliebt, heiratete ihn zwei Monate später und schenkte ihm Aquitanien. 

Ab 1154 herrschten Heinrich II( 1154-1189) und Eleonore über England. Ihr Reich erstreckte sich von Schottland bis zu dem Pyrenäen. Während ihr Mann in den nördlichen Marken Krieg führte, verwaltete Eleonore Aquitanien allein. Zu jener Zeit lebte sie prunkvoll abwechselnd in Poitiers, Niort und Bordeaux, umgeben von hübschen Damen und galanten, redegewandten Herren. Sie beschützte die Troubadoure und Gelehrten, erfand "Kurse der Liebe" und reagierte flink bei geistvollen Spielen, verachtete darum aber keineswegs die Freuden des Körpers. 

Sie war Künstlerin und Liebende und betrachtete sich als Beschützerin öffentlicher Belange. Die Herzogin Eleonore urteilte, erließ Gesetze unterstützte Kommunalbewegungen, es heißt sogar sie habe ein Gesetzbuch für die Seeschifffahrt verfasst. Ihre mütterliche Leidenschaft wurde ihr zum Verhängnis. 

Da sie den Aufstand ihrer Söhne Heinrich, Richard und Geoffroy gegen ihren Vater unterstütze, ließ Henry sie auf Schloss Salisbury gefangen setzen. Zum Zeitpunkt der Filmhandlung blickte sie bereits auf 10 Jahre Gefangenschaft zurück.....

Zu Anfang des Films werden zunächst die Söhne Richard, Geoffroy und John vorgestellt, der Erstgeborene Sohn Henry ist bereits verstorben. Henry II. möchte, dass sein jüngster Sohn König wird, obschon dieser nicht die Fähigkeiten dazu besitzt. Er hinterlässt einen geradezu debilen Eindruck. Geoffroy ist intelligent, aber furchtbar intrigant. Richard (Antony Hopkins), der wohl Fähigste von allen, ist voller Hass auf seinen Vater. Alle drei Söhne möchten König werden, misstrauen einander und befeinden sich unterschwellig ständig, weil jeder den Ambitionen des anderen im Wege steht. Henry hält anlässlich des Weihnachtsfestes auf Chinon Hof. Er befindet sich mit seiner jungen Geliebten Alais (sie ist die Schwester des französischen Königs Philipp II (Timothy Dalton) - Sohn des einstigen Gatten Eleonores aus zweiter Ehe) bereits vor Ort. Eleonore kommt wie jedes Jahr aus Salisbury angereist, bewacht von Henrys Soldaten. 

Zwischen Henry und ihr findet ein zweistündiger verbaler Schlagaustausch statt, den ich auf diesem Niveau bislang nur in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf " kennen gelernt habe. Gestritten wird um das Erbe, gezankt wird darum, wer König werden soll. Beide Elternteile haben unterschiedliche Favoriten...., doch es geht noch um mehr. 

Es geht auch um verletzte Eitelkeiten und Eifersucht und um grenzenlosen Hass. Eleonore kann Henry nicht verzeihen, dass er sie mit anderen Frauen betrogen hat, obschon auch sie keine Heilige war. Auch Henry reagiert alles andere als unemotional wegen der einstigen Liebhaber Eleonores. Das Ehepaar galt einst als das Liebespaar Europas. Alle Biographen schreiben von der enormen erotischen Anziehung der beiden zueinander innerhalb der ersten Ehejahre. 

Nun weiß man, dass aus wirklich leidenschaftlichen Liebesbeziehungen, wenn sie enden, keine Freundschaften werden können und so ist zwischen Eleonore und Henry nach ihrer Trennung ein Machtkampf ausgebrochen. Sie benutzen ihre Kinder, um diesen Kampf miteinander auszutragen. Ihre Kinder sind Mittel nur zu einem einzigen Zweck: sich gegenseitig weh zu tun. Alle drei Söhne haben extreme Persönlichkeitsdefizite, aufgrund ihrer lieblosen Erziehung, alle drei Söhne hassen ihre Eltern, die am liebsten ewig leben würden, wie die beiden bekunden. Sie missgönnen ihren Kindern das, was sie in ihrem Leben zuhauf genossen haben.... 

Die Kulissen des 1968 gedrehten "Der Löwe im Winter" sind ebenso hervorragend wie die Kostüme. Besser hätte man das Mittelalter nicht visualisieren können. Die Musik ist ein Ohrwurm und fügt sich sehr gut in das Gesamtkonzept. 

Der Film von Antony Harvey basiert übrigens auf dem Theaterstück von James Goldmann und setzt hohe Konzentration voraus. Die Texte sind sehr niveauvoll, hintergründig und werden schnell gesprochen. Im Kapitel "Damals" werden Bilder aus der Vergangenheit heraufbeschworen, die dem Zuschauer, der die Geschichte der beiden nicht kennt, Hintergrundinformationen liefern, um die Zusammenhänge besser zu begreifen. 

Ich habe mir erlaubt diese Infos meiner Rezension voranzustellen, weil dadurch der Filmgenuss vergrößert wird. Katharine Hepburn und Peter O `Toole spielen göttlich. Neben "Wer hat Angst vor Virginia Woolf " ist dies der beste Film, den ich bislang in meinem Leben gesehen habe. 

Die Dialoge sind spitzzüngig, hochintelligent und dabei voller Esprit. Die beiden Ausnahme-Schauspieler Hepburn und O`Toole besitzen das Format, um die Texte auf den Punkt genau sprachlich und mimisch umzusetzen. Die Leinwand ist hier zur Theaterbühne geworden. Die Ton- und Bildqualität sind bestens. 

Sehr empfehlenswert.

Rezension: Die Akte Odessa (DVD)

Der begnadete Schauspieler Maximilian Schell starb vor wenigen Tagen. In "Die Akte Odessa" mimt er die Person, um die sich der gesamte Film dreht. Es handelt sich bei dieser Person um einen Kriegsverbrecher, konkret um den KZ-Kommandanten Eduard Roschmann, den Schlächter von Riga.

Protagonist dieses britisch-deutschen Films allerdings ist nicht er, sondern der junge, freie Journalist Peter Miller (John Voight), der die Aufzeichnungen des Juden Salomon Tauber über dessen tragische Erlebnisse im Konzentrationslager Riga liest und sich aus unterschiedlichen Gründen, zu denen er sich zunächst ausschweigt entschließt,Roschmann zu finden, um ihn der Justiz zu übergeben.

Man schreibt das Jahr 1963. Gezeigt wird im Rahmen der Filmhandlung wie gut das Netzwerk der SS-Leute noch funktionierte und wie extrem der Hass gegen die Juden tatsächlich noch war. Der Film entstand übrigens aufgrund eines Romans von Frederick Forsyth. Den Nazi-Schergen Eduard Roschmann hat es tatsächlich gegeben.

Salomon Tauber beging Selbstmord als er feststellen musste, dass Roschmann 1963 noch am Leben war. Er hatte ihn wenige Tage vor seinem Tod zufällig in Hamburg gesehen. Roschmann hat eine neue Identität angenommen.

Als klar wird, dass Peter Miller in der Sache recherchiert, versucht man in umzubringen. Wie sich erweist, umfasst das Netzwerk der SS-Leute alle wichtigen Positionen in der Politik, in den Behörden, auch bei den Zeitungen. Es ist mehr als schwierig unter solchen Bedingungen überhaupt Aufklärung zu betreiben. Das ewig gestrige, braune Gesocks deckt sich gegenseitig und plant Ungeheuerliches.

Ich möchte die Filmstory an dieser Stelle nicht nacherzählen, um die Spannung nicht zu mindern. Wer Näheres im Vorfeld wissen möchte, kann sich bei Wikipedia informieren.

Einige Filmszenen haben mir verdeutlicht, wie eng damalige Nazi-Netzwerke noch waren, dabei ist es unerheblich, ob sie nun ODESSA oder wie auch immer hießen. Nochmals bewusst geworden ist mir, weshalb nachdenkliche junge Menschen aus der 68er Generation zumeist extreme Auseinandersetzungen mit ihren Vätern hatten und nicht selten einen klaren Bruch mit diesen herbeiführten, sofern erkennbar wurde, dass diese Väter an den Verbrechen der Nazis beteiligt waren und sie nicht bereuten, sondern vertuschten.

Besonders beeindruckt hat mich eine Szene ganz zum Schluss. Hier stellt Miller den Psychopathen Eduard Roschmann und man hat Gelegenheit das ganze Zugebrettertsein und die Versuche dieses Kretin, sich herauszulügen zu erleben. Roschmann steht für das ganze verantwortungslose Pack, das sich hinter Befehl und Gehorsam versteckte, um in erster Linie allerübelste Niedertracht auszuleben zu können.

Es wird mir nie in den Kopf gehen, weshalb innerhalb von gerade mal 12 Jahren eine solch abartige Gehirnwäsche möglich war, die bei vielen ewig anhielt. Dieser Mangel an Mitgefühl scheint die Hauptursache für die Grausamkeit und Niedertracht dieser Fieslinge gewesen zu sein, für die es eigentlich keine Worte gibt.

Ein wichtiger Film.

Empfehlenswert.

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Rezension:Ich sehe den Mann deiner Träume (DVD)

Regisseur dieses schwarz-humorigen Films ist Woody Allen. Dass Sir Antony Hopkins mitspielt, lässt die Qualität des Streifens bereits im Vorfeld erahnen. Der Titel ist vielleicht zunächst etwas irreführend, sein Sinn wird aber durch die Filmhandlung sehr schnell klar.

Worum geht es in diesem Film mit den vielen Sequenzen, die wie so oft bei Woody Allen-Produkten für ein jugendliches Tempo sorgen? Vielleicht darum, aufzuzeigen, dass es letztlich nie sinnvoll ist, aus einem diffusen Bauchgefühl heraus, seine Bodenhaftung aufzugeben und der Versuch seine Träume zu leben, auch schmerzhafte Bauchlandungen zur Folge haben kann. Neuerdings verkünden Ratgeber ja oft anderes.

Eine solche Bauchlandung legt der in die Jahre gekommene Alfie (Sir Antony Hopkins) hin, der nochmals jung sein möchte, sich körperlich stählt und seine langjährige Gattin Helena verlässt, die seine Jugendsehnsucht nicht mittragen will. Helena wirkt unglaublich spießig und altbacken, insofern versteht man Alfie natürlich in gewisser Hinsicht als er geht.

Nicht zu verstehen ist, dass der gestandene Business-Mann so naiv ist, eine neue Verbindung mit einer Bordsteinschwalbe einzugehen und sich von dieser materiell ruinieren zu lassen. Als er reuig zu seiner Frau zurück kehren möchte, hat sie kein Interesse mehr an ihm, sondern hat sich mittlerweile in einen alternden Buchhändler mit esoterischen Ambitionen verliebt...Ein Paar, bei denen die Chemie wirklich zu stimmen scheint.

Die Tochter von Alfie und Helena,- Sally- , ist mit einem Möchtegern-Schriftsteller verheiratet, der Medizin studiert hat, aber nicht als Arzt tätig sein möchte, sondern glaubt, seine Begabung liege im Schreiben. Da er zum gemeinsamen Leben pekuniär nichts beiträgt und Sally für den Lebensunterhalt sorgen lässt, wird diese allmählich ungehalten. Sie arbeitet bei einem Galeristen, verliebt sich in diesen, während ihr Mann anstelle einen Roman zu schreiben, nachmittags mit der schönen Nachbarin flirtet... Kurzum, die alten Beziehungen lösen sich auf, weil die Erwartungshaltungen nicht erfüllt wurden. Auch in neuen Beziehungen sind es unerfüllbare Erwartungshaltungen, die die Beziehungen in Frage stellen.

Welche Botschaft ist dem Film zu entnehmen? Man erwarte von keinem Dritten, dass er uns die Sterne vom Himmel holt, sondern beschaffe sich eine Leiter und mache sich allein auf den Weg? Sally tut dies. Das ist klug von ihr. Der Film ist sprachlich weniger intellektuell angelegt als andere Filme von Woody Allen, stattdessen werden seelische Schräglagen ausgelotet, die zumeist für Turbulenzen in Beziehungen sorgen, auch bei den Filmpaaren, von denen es ja einige gibt

 Empfehlenswert. 

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Rezension: Mandela: Sein Leben und Wirken

"Die größte Kunst des Lebens ist nicht den Fall zu verhindern, sondern immer wieder aufzustehen." 

Diese DVD-Dokumentation befasst sich sehr kritisch mit dem Leben und Wirken Nelson Mandelas, der am 18.7.1918 in Qunu als Sohn eines Mannes geboren wurde, der der südafrikanischen Oberschicht angehörte. Weil sein Vater sich den Weißen gegenüber widerständig zeigte, verlor die Familie Rang und Besitz. Dies veränderte das Bewusstsein Nelson Mandelas.

Anhand von Bildern und Interviews wird die Entwicklung Mandelas gezeigt. Der Jurist wurde 1944 Mitglied des African National Congress (ANC). Damals scheint er noch ziemlich hitzköpfig gewesen zu sein. Nach dessen Verbot war er führend am Aufbau der geheimen Militärorganisation des ANC beteiligt.

Gezeigt werden seine Frauen, die ihn zu unterschiedlichen Zeiten in seinem schicksalhaften Leben begleitet haben. Die Bürgerrechtlerin Winnie heiratete er 1958. Mit ihr war er bis 1996 verheiratet. Ihre politischen Alleingänge kommen zur Sprache, aber auch all das Fürchterliche, was sie im Gefängnis erleben musste.

Mandela wurde 1962 zu fünf Jahren Gefängnis, 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt.Gezeigt wird, wie er vom Gefängnis aus den Kampf fortsetzt und zur Symbolfigur des schwarzen Widerstandes gegen die Apartheid wurde.

Man erlebt, wie er aus der Haft entlassen wird und wie man ihn zum Vizepräsident von Südafrika wählt, wie er auf der Seite des ANC die Verhandlungen mit der weißen Minderheitsregierung unter F. W. de Klerk führt, die das Ende Apartheit und den friedlichen Übergang der Republik Südafrika zu einer gemischtrassigen Demokratie zur Folge hatte.

Mit de Klerk erhielt er dafür gemeinsam den Friedennobelpreis. Man erlebt Mandela wie er 1994 Ministerpräsident wird, erlebt seine Gelassenheit und sein ungeheuer liebevolles Wesen. Alle weiteren Stationen bis ins Heute werden gezeigt. Es wird auch über seine politischen Fehler gesprochen und über die sozialen Probleme in Südafrika zum jetzigen Zeitpunkt. 

Bemerkenswert sind die vielen Interviews, so etwa mit Nadine Gordimer, mit de Klerk, mit diversen Mitgefangenen von Mandela und anderen mehr, vor allem mit Mandela selbst. Auf der Rückseite der DVD steht ein Zitat von ihm, das mir sehr gefällt: "Die größte Kunst des Lebens ist nicht den Fall zu verhindern, sondern immer wieder aufzustehen." 

Die Bild- und Tonqualität sind bestens. 

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Rezension:Peter J. König:H E L M U T S C H M I D T - STAATSMANN UND MENSCH -3sat edition- A R T H A U S

Die hier vorgestellten beiden DVDs zeigen in besonders eindrucksvoller Weise das Leben des Politikers und Staatsmannes Helmut Schmidt. Dabei bietet die erste Scheibe „ Mein Leben“, die ganze, umfangreiche Möglichkeit die Herkunft und den Werdegang dieses außergewöhnlichen Menschen zu erfahren. Man hört über seine Eltern und Großeltern und begreift, warum Helmut Schmidt noch heute mit weit über neunzig Jahren von seiner Arbeit beseelt ist. 

Die hanseatischen Tugenden wurden ihm in die Wiege gelegt, dazu die Fähigkeit des blitzschnellen intellektuellen Erfassens und nicht zuletzt die sprachliche Gewandtheit, die Möglichkeit schwierige Sachverhalte sehr exakt, aber für die Allgemeinheit verständlich, darzustellen. Dass er dabei auch ziemlich scharfzüngig zu Werke gehen konnte, hat ihm im Bundestag den Spitznamen „Schmidt-Schnauze“ eingebracht. 

Maßstab allen Handelns war bei ihm seine Gradlinigkeit, eben die des ehrlichen hanseatischen Kaufmannes. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er heute in Deutschland und darüber hinaus weltweit als die moralische Instanz gilt, eher ungewöhnlich für einen Politiker. Noch heute ist sein Rat bei allen politischen Klassen im In- und Ausland außerordentlich gefragt. Trotz seines hohen Alters oder vielleicht gerade deshalb ist er in der Lage, dank seines bewundernswerten intakten analytischen Verstandes, Zusammenhänge aus einer übergeordneten Warte zu verstehen und zu vermitteln. Die Disziplin, die dabei aufgebracht werden muss, ist ebenfalls Ausdruck seiner hanseatischen Herkunft.

Schon sein Vater hat mit viel Fleiß es geschafft, aus einfachen Verhältnissen sich zum Studienrat an einer Höheren Handelsschule empor zu arbeiten. Dies war Vorbild und Ansporn zugleich für den Heranwachsenden. 

Es führt zu weit, alle Entwicklungsstufen und politischen Stationen von Helmut Schmidt hier aufzuzeigen. Dies vermittelt die erste DVD ganz hervorragend, zumal in diesem Film von Felix Schmidt, die einzelnen Stationen in eine Fahrt des Altkanzlers von seinem Wohnhaus, entlang der Alster, bis hin zum Hamburger Rathaus eingebettet sind. Authentischer und lebensnaher kann man Helmut Schmidt dem Betrachter nicht nahe bringen. 

Bei all seinen Ecken und Kanten, es ist der Respekt und das unendliche Vertrauen, das die Menschen ihm heute mehr denn je entgegenbringen. Helmut Schmidt ist das Gewissen, eine Institution über alle Parteien hinweg und der Repräsentant unseres Deutschlands, dem es gelungen ist, die Würde und Anerkennung, nach den Verbrechen der Nazizeit uns wiederzubringen. 

Im Anschluss an die Darstellung der Vita von Helmut Schmidt werden als Bonus auf dieser DVD noch mehrere Bundestagsreden von ihm gezeigt. Dabei kommen die schwersten Phasen seiner Zeit als Bundeskanzler zum Vorschein. Es ist die Zeit des RAF-Terrorismus mit der Entführung von Hanns-Martin Schleyer, dem Arbeitgeberpräsident und die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut. Die zweite DVD zeigt uns den heutigen Helmut Schmidt. 

In der Serie „Menschen bei Maischberger“ wurde der Altkanzler 2010 in einem sehr ausführlichen Interview von Sandra Maischberger, eine der wenigen politischen Journalisten, die er überhaupt so nahe an sich heutzutage heran lässt, zu einer Fülle von Themen befragt. Hier bestätigt sich noch einmal die ganz besondere Persönlichkeit dieses eloquenten Mannes. 

Für jeden politisch interessierten Menschen ist es ein besonderes Highlight diesem Interview zu lauschen. Wissen wird mit Intelligenz gepaart, wobei beides in abgeklärte Gelassenheit gebettet ist. Es ist nicht zu viel versprochen, wenn man behauptet, dass dieses Gespräch zwischen Helmut Schmidt und Sandra Maischberger als ein besonderes Juwel in die Geschichte des deutschen Journalismus eingegangen ist. Auch hier folgen noch die Bundestagsreden von Helmut Schmidt zum Koalitionsbruch und zum Misstrauensvotum von 1982 als Bonusmaterial im Anschluss. 

Beide DVDs sind zweifellos von hohem geschichtlichem Wert. Sie zeigen an Hand der Person des Ausnahmepolitikers Helmut Schmidt, besonders für die Generationen, die diese Epoche nicht bewusst miterlebt haben, welchen Weg die Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung genommen hat. 

Sehr empfehlenswert.

Rezension:Anleitung zum Unglücklichsein (DVD)

Diese intelligent gemachte Komödie beruht auf dem gleichnamigen Sachbuch des Psychotherapeuten Paul Watzlawick. Ich habe mir gestern deshalb nochmals das Buch vorgenommen und auch meine Rezension dazu abermals gelesen. Der Regisseurin Sherry Homann, die übrigens im Rahmen der Extras ein Interview gibt, ist es gelungen, die wesentlichen Gedanken Watzlawicks aus seinem Buch filmisch umzusetzen.

 Die Protagonistin des Films ist Tiffany (Johanna Wokalek), eine sehr hübsche, intelligente, in ihrem Beruf erfolgreiche Frau, die aber leider keinerlei Selbstvertrauen hat. Pausenlos sieht sie alles negativ, hauptsächlich sich selbst. Sie ist davon überzeugt, dass sie in jeder Beziehung mittelmäßig ist.

Ihr Medizinstudium hat sie an den Nagel gehängt und betreibt nun einen gut laufenden Delikatessenladen mit Bistro in Kreuzberg. Tiffany ist Tochter aus gut-bürgerlichem Hause. Der Vater ist Arzt. Ihre verstorbene Mutter (Iris Berben) zeigt sich als penetrantes Über-Ich, dem sie nichts recht machen kann. Sie ist nie gut genug für ihre exaltierte Mutter, die ihre Tochter im Geiste ständig maßregelt. Die Mutter erscheint immer wieder wie ein Hausgeist in der Wohnung der Tochter und steht ihr im Weg, wenn es um deren Zufriedenheit geht. Tiffanys Aufgabe besteht darin loszulassen.

 Ich möchte natürlich den Inhalt dieser tollen Geschichte hier nicht erzählen, nichts von den Ereignissen in Tiffanys Laden, nichts von ihren sich anbahnenden Liebschaften, nichts vom Liebhaber ihrer Mutter, einem Klavierlehrer (sehr gut gemimt von Richy Müller), nichts von Tiffanys Versöhnung mit ihrem Vater, dem sie eindeutig Unrecht tat und dieses auch erkennt. Der Film enthält eine große Anzahl komischer Momente, wobei die Regisseurin gezielt darauf geachtet hat, dass keine Schadenfreude aufkommt. Das macht neben den intelligenten Dialogen und der perfekten schauspielerischen Darbietung aller Künstler die Qualität des Films aus.

Die Interviews von Johanna Wokalek und Iris Berben sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Wokalek erläutert dort, wie sie ihre Rolle umgesetzt hat und Iris Berben liefert eine sehr gute Interpretation des Films und dessen Figuren.

 Mitgenommen habe ich aus der Komödie die Botschaft, dass es gut ist, mit viel Bodenhaftung im Hier und Heute zu leben, nicht ins Gestern zu schauen und sich um eine positive Grundhaltung zu bemühen. Man lasse sich von keinem den Selbstwert untergraben, weder von Menschen, die uns früher mal etwas bedeutet haben, noch von der eigenen Mutter, die keineswegs immer eine Heilige ist.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Hugo von Hofmannsthal - Jedermann (DVD)

ARTHAUS Musik hat diverse "Jedermann"-Aufführungen im Programm. Ich entschied mich für die Liveaufführung mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle, obschon ich zunächst mit Ben Becker seiner tollen Stimme wegen liebäugelte. Ulrich Tukur schätze ich wegen seiner fröhlichen und dabei betont intellektuellen Ausstrahlung, die ihn zu einer interessanten Besetzung in dem Spiel vom Sterben eines reichen Mannes werden lässt, den der Tod weit vor der erhofften Zeit ereilt. 

 Die Kostüme sind sehr farbenprächtig, sieht man mal vom Tod ab, der ganz hervorragend von Otto Sander gespielt wird. Immer wieder erhält man Eindrücke von Salzburg, kann auch hinter die Bühne blicken, sieht die Schauspieler, wie sie teilweise fast erschöpft sind von ihren Kostümen, insbesondere der Darsteller des Reichtums, sieht Schauspieler bei einer kurzen Zigarettenpause oder beim Trinken einer Limo und fühlt sich wirklich live dabei.

Inszeniert und bearbeitet wurde Hugo von Hoffmannsthals "Jedermann" diesmal von Gernot Friedel. Die fantastischen, farbenfrohen Kostüme wurden von Anna Maria Heinrich designt. Durch die vielen Rot- und Gelbtöne bilden sie den idealen Gegensatz zum bevorstehenden Tod von Jedermann.

Das Stück wird vor der Fassade des Salzburger Doms aufgeführt. Dem Begleitheft zur DVD kann man Wissenswertes zu diesem Spektakel, das jeden Sommer in Salzburg aufgeführt wird, lesen. Dabei berichtet Dr. Werner Thuswaldner auch sehr spannend von den Anfängen der Jedermann-Inszenierungen.

Die vorliegende Aufzeichnung war bestrebt über eine bloße Dokumentation hinauszugehen. Wie ich vorhin schon erwähnte, geht die Kamera mit dem Geschehen mit, konzentriert sich nicht auf die Totale, sondern greift auch Details heraus. Bemerkenswert ist der Moment, wo Otto Sander als Tod im Dom eine Kerze spendet, bevor er auftritt und dadurch dem Tod ein anderes, weniger Furcht einflößendes Anlitz verleiht. Kann man vor dem Tod, der dem Licht die Ehre erweist, Angst haben? Ich denke eher nicht. Sanders Handlung finde ich höchst spirituell. Sie verleiht dem Spiel eine völlig neue Komponente.

Man erfährt einige wichtige biografische Daten zu Ulrich Tukur, der damals 43 Jahre alt war und fast wie ein jugendlicher Held erscheint. Dr. Thuswaldner erwähnt die überbordende Vitalität des Schauspielers, die auch ich sofort sah und die mich begeistert hat. Tukur erfährt als Jedermann eine ungeheure Verwandlung, nachdem der Tod auftritt und er sich zutiefst verzweifelt und voller Angst vor dem was kommt, gebärdet. Dieser Jedermann wirkt in erster Linie hedonistisch. Dass er hartherzig und geldfixiert ist, weiß man, aber man nimmt es auf den ersten Blick nicht wahr. Sein bester Freund, der Gute Gesell (Johannes Krisch) ist zynisch und unangenehm, Jedermanns Mutter, (Christine Ostermayer), eine energische und dabei reflektierte Frau.

Man mag diesen Jedermann nicht sterben sehen, weil man den Eindruck gewinnt, dass er sich noch weiterentwickeln wird, sein Hedonismus nichts Endgültiges ist. Man wünscht ihm, dass er sich von seinem eitlen Hofstaat befreit und einen Neuanfang macht. Sterben, nein. Das ist noch zu früh.

Die Musik von Werner Preisegott Pirchner lässt tatsächlich an Carl Orff denken. Der Teufel und die Engel wirken wie eine unwirkliche Staffage aus einer anderen Zeit. Sie haben mit diesem Jedermann nur noch wenig zu tun, vielleicht weil er von einem Tod umgeben ist, der eine Kerze anzündet und damit andeutet, dass das Licht den Tod letztlich überdauert. 

 Empfehlenswert.

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Rezensionen: Aus tiefster Seele (DVD)

Dieser Film wurde nicht grundlos mehrfach ausgezeichnet und seitens der New York Times als "Ein Werk der Liebe" bezeichnet.

Die weibliche Hauptdarstellerin Mary (Oscar-Preisträgerin Marcia Gay Harden) leidet an ausgeprägter Schizophrenie. Die Freizeitmalerin verletzt bei einem ihrer unvorhersehbaren Tobsuchtsanfälle ihren Sohn mit einem Messer. Sie wird daraufhin in eine psychiatrische Klinik gebracht. Vater und Sohn müssen mit der schweren Krankheit der Mutter umgehen lernen und wünschen sich eine gesunde Mary zurück...

Wie man im Internet nachlesen kann, handelt es sich bei Schizophrenie nicht um eine multiple Persönlichkeitsstörung, bei der die Personen glauben, eine oder mehrere andere Personen zu sein, sondern um eine Bewusstseinsspaltung, um "eine Erkrankung des Gehirns, mit konkreten und spezifischen Symptomen, die durch strukturelle und biochemische Veränderungen im Gehirn hervorgerufen werden".

Es ist entsetzlich, den Verfolgungswahn mit den einhergehenden Tobsuchtsanfällen dieser Frau im Film miterleben zu müssen und zu sehen, wie sich dies auf den völlig irritierten kleinen Sohn auswirkt, der sich verständlicherweise für seine Mutter schämt, nicht zuletzt, weil seine zum Teil grausamen Schulfreunde ihn wegen ihr hänseln. Auch der Vater gerät in Schwierigkeiten und verliert seine Arbeit. Weder er noch der Sohn erhalten professionellen Beistand. Die beiden finden aber dennoch einen Weg, um mit der Geisteskrankheit von Mary fertig zu werden und dieser Weg ist die Liebe...

Nein, kitschig ist der Film nicht. Man lernt in erster Linie zu begreifen, wie ein geisteskranker Mensch tickt, unmittelbar bevor und wenn er ausrastet. Im Internet kann man nachlesen, dass einer von hundert Menschen an Schizophrenie erkrankt. In Deutschland gibt es 800 000 schizophrene Menschen und jährlich kommen 8000 neue Fälle hinzu. Drogen- und Alkoholmissbrauch können Schizophrenie auslösen, aber es gibt auch andere Ursachen.

Gezeigt werden im Film zahlreiche Symptome, u.a. das Hören von Stimmen seitens von Mary, die andere nicht hören, auch die Vernachlässigung der persönlichen Erscheinung, etc. und immer wieder diese irren Wutanfälle.

Wie reagieren tobsüchtige, schizophrene Menschen im Internet? Eine Frage, die ich bei einem meiner nächsten Interviews einem Psychiater stellen werde.

 Ein beeindruckender Film, den ich gerne weiterempfehle.

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Rezension:Die Ausgebufften (Les Valseuses) - Edition Cinema Francais Nr. 13 (Mediabook) (DVD)

Dieser Film wurde von 1987 bis 2012 in Deutschland indiziert.

Der Film "Die Ausgebufften" wurde seitens des Regisseurs Bertrant Blier 1974 gedreht und wird nun in der Reihe "Edition Cinema Francais" in guter Qualität den Liebhabern französischer Filme präsentiert.

Mich interessieren alte Filme deshalb, weil ich den jeweiligen Zeitgeist darin sehr gut ablesen kann. Die frühen 1970er Jahre waren anarchistisch eingefärbt. Eindeutig. "Die Ausgebufften" war übrigens der Debütfilm Bliers und gilt als Kultklassiker der 1970er Jahre. Der Regisseur verwendet Respektlosigkeiten und Grenzüberschreitungen der Protagonisten des Films gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft als Mittel der Provokation.

Die Filmhandlung ist ganz ungemein temporeich. Es geschehen völlig absurde, skurrile Dinge, die den Betrachter dann amüsieren, wenn er für 113 Minuten alle gesellschaftlichen Konventionen und Rechtsnormen vergisst. Die beiden Freunde Jean Claude(Gérard Depardieu) und Pierrot (Patrik Dewaere) halten sich durch Diebstähle über Wasser und flüchten mit gestohlenen Autos durch ganz Frankreich.

Frauen sind für die Möchtegernmachos in erste Linie Sexualobjekte. Ihr Ziel ist es aber, in erster Linie den Frauen und nicht sich selbst sexuelle Freude zu schenken. Zumeist teilen sich die beiden Freunde eine Frau im Bett, was sich für die Frauen in sexueller Hinsicht nicht als Nachteil erweist. Die Frauen stimmen gerne zu.

Es wird also viel nackte Haut gezeigt. Jeanne (Jeanne Moreau) verleiht dem Film Tiefe, indem durch ihren Selbstmord nach einem Dreier-Liebesspiel gezeigt wird, dass das Leben letztlich kein Bettspektakel ist.

Dieser Film wurde von 1987 bis 2012 in Deutschland indiziert. Das wundert mich nicht, denn Jean-Claude erinnert sehr an Baader und seine Freunde, wenn man mal politische Aspekte ausklammert.

"Die Ausgebufften" sollte Erwachsene aufrütteln. An der tiefen Freundschaft der beiden jungen männlichen Protagonisten und ihrer Fairness zueinander sieht man, dass nicht sie es sind, die versagt haben, sondern die bürgerliche Gesellschaft, die ihnen nicht die Hand reicht. Es macht gewiss keine Spaß ständig auf der Flucht zu sein. Das generelle Macho-Verhalten wird subtil ironisiert. Im Grund ist der Film ein Hilfeschrei.

 Die Bild- und Tonqualität ist bestens.

Im Begleitheft erfährt man Wissenswertes über den Regisseur und die Hauptdarsteller, auch über die Protagonistin Miou-Miou wird man sehr gut unterrichtet. Sie schaffte aufgrund dieses Films ihren Durchbruch.

 Empfehlenswert. 

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