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Rezension:Die untreue Frau (DVD)

Die schöne Helene (Stephane Audran) ist mit dem arrivierten Rechtsanwalt Charles verheiratet. Die beiden haben einen gemeinsamen neunjährigen Sohn und leben in einer Villa mit Park außerhalb von Paris in Versaille. Charles ist ein betont unterkühlter Mann mit ausgesprochen verbissenen Gesichtszügen. Die hocherotische Helene wirkt ziemlich gelangweilt an der Seite des drögen Anwalts. Zwar kümmert sie sich rührend um ihren Sohn und dessen schulisches Fortkommen , aber sie scheint unausgefüllt zu sein und hält sich an den Nachmittagen in Paris auf.

Charles wird misstrauisch, will wissen, was sie in Paris unternimmt und beauftragt einen Detektiv. Dieser findet heraus, dass Helene eine Affäre mit dem attraktiven Schriftsteller Victor unterhält. Der Detektiv händigt dem Anwalt ein Foto von Victor aus, den er nicht ohne Grund sofort eifersüchtig als Widersacher empfindet. Charles Lippen werden augenblicklich noch schmaler als sie es ohnehin schon sind. Er fährt nach Paris und sucht dort seinen Rivalen auf. Ihm gegenüber eröffnet er, dass er mit Helene in offener Ehe lebt und dass seine Frau ihm selbstverständlich von der Liebschaft berichtet hat.


Victor ist überrascht, zeitgleich aber auch beruhigt, weil er bislang Bedenken hatte, wegen Helenes Ehe. Er berichtet Charles, dass die Beziehung zu Helene rein sexuell und er besonders von ihrer Anschmiegsamkeit angetan sei. Als der hocheifersüchtige, gehörnte Ehemann dies hört, erschlägt er den arglosen Liebhaber Helenes im Affekt und beseitigt daraufhin die Leiche unverzüglich, indem er sie in einem See versenkt. Zuvor allerdings hat er noch geistesgegenwärtig alle Fingerabdrücke in der Wohnung entfernt. Trotz seiner Erregung arbeitet sein Kopf präzise, sodass es schwer fällt die Affekthandlung als solche zu erkennen. Wie auch immer, die Spuren und die Leiche sind offensichtlich weg. Nichts scheint mehr auf den Täter hinzuweisen.
Der Anwalt kehrt in seine Villa zurück, wo alsbald die Polizei auftaucht, um Helene zu befragen. Mittlerweile sucht man Victor und hat in seinem Adressbuch Helenes Telefonnummer gefunden.


Helene gibt vor den Schriftsteller nur flüchtig zu kennen. Die Polizisten geben sich mit der Antwort zufrieden.
Kurz darauf entdeckt die Untreue in einer Schublade das Foto ihres Liebhabers, welches der Detektiv Charles gegeben hatte und weiß nun, dass ihr Gatte ihr Nachmittagsvergnügen auf dem Gewissen hat. Diese Erkenntnis spricht sie jedoch nicht aus. Man sieht sie allenfalls in ihren Augen. Entschlossen verbrennt sie das Bild und beseitigt somit das möglicherweise letzte Indiz. Charles und Helene versichern sich ihre Zuneigung, reden aber kein Wort von den Geschehnissen. Man spürt das gegenseitige Einverständnis, aufgrund der ausgetauschten Blicke. Im gleichen Moment erscheint die Polizei am Eingangstor. Wird sie mit neuen Beweisen aufwarten können?

Wie alle Filme von Chabrol, ist auch dieser psychologisch sehr vielschichtig. Es handelt sich meines Erachtens um eine Milieustudie. Das bourgeoise Zusammenhörigkeitsgefühl der Eheleute ersetzt letztlich die Liebe zwischen ihnen und macht sie auf diese Weise zu Verbündeten. Der Schriftsteller Victor war bedeutungslos. Man muss kein Wort mehr über ihn verlieren.

Empfehlenswert.

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